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Samstag, 30. Mai. 2015 14:22 Alter: 5 Monat(e)

Abschlusstreffen des Comenius-Projektes auf den Schlachtfeldern an der Somme

Von: Monika Zschätzsch

Vom 17.-20.05.2015 fand das Abschlusstreffen des Comenius-Projekts „World War I and European Identity“ auf den Schlachtfeldern an der Somme in Frankreich statt. In dem zweijährigen Projekt wurden gemeinsam mit Partnerschulen aus Frankreich, England und den Niederlanden die Schrecken des Ersten Weltkrieges und die daraus resultierenden kulturellen Folgen für Europa erforscht.

Der Ort dieses letzten Treffens wurde besonders ab Juni 1916 sehr in Mitleidenschaft des Kriegs gezogen. Hauptsächlich Engländer und die mit ihnen durch den Commonwealth verbundenen Länder wie Australien, Südafrika oder Neufundland schickten ihre Soldaten, oft kaum vorbereitet, in den Krieg, um die „boches“, die Deutschen, aufzuhalten. Noch heute ist die Umgebung von Kratern und Schützengräben der Zeit des Ersten Weltkriegs durchzogen und immer wieder finden Bauern Minen auf ihren Feldern. Entlang des Flusses Somme befinden sich nahezu alle fünf Kilometer Friedhöfe von Alliierten oder Deutschen. Oft konnten die Leichen aufgrund der groben Verstümmelungen durch Gasattacken oder Minenwerfern nicht identifiziert werden, weshalb einfach nur der Vermerk „soldier“ auf den Grabsteinen zu lesen ist.

Um den Schülern die Grausamkeit und Brutalität dieses Krieges vor Augen zu führen, wurde dieser Ort als letzte Begegnungsstätte des zweijährigen Projekts über den Ersten Weltkrieg und die europäische Identität gewählt.
Alle Teilnehmer des Projekts wurden in einer Jugendherberge in der Kleinstadt Péronne, die im Ersten Weltkrieg nahezu gänzlich zerstört wurde, untergebracht.

Am ersten Tag lernten die SchülerInnen diese Stadt mit Hilfe einer Rallye kennen und konnten das Ausmaß der Zerstörungen mittels der 100 Jahre alten Fotos erahnen. Danach wurde das Historial de la Grande Guerre, eines der größten Museen zum Ersten Weltkrieg, in multinationalen Kleingruppen besichtigt. Die Teilnehmer hatten den Auftrag, sich mit Hilfe der dort ausgestellten Exponate eine Lebensgeschichte zu einem australischen Soldaten, einem französischen Jungen, einer englischen Frau bzw. einem deutschen Soldaten zur Zeit des Ersten Weltkriegs zu überlegen. Die SchülerInnen entwickelten sehr unterschiedliche, interessante Ideen zur Vorstellung ihrer jeweiligen Biographie und präsentierten diese vor der gesamten Gruppe.

Nach der Theorie sollten die Projektteilnehmer am darauf folgenden Tag nun mit der Realität konfrontiert werden. Entlang des Circuit de Souvenir, dem Weg der Erinnerungen, besichtigten sie unter anderem australische, südafrikanische und deutsche Friedhöfe, Denkmäler der Waliser und Neufundländer und einen über 20 Meter tiefen Krater – ein Versuch der Engländer, die Schützengräben der Deutschen von unter der Erde aus zu bombardieren.
Der größte Soldatenfriedhof der Gegend, das Denkmal von Thiepval, auf dem über 72.000 Namen von gefallenen Soldaten eingemeißelt sind, die niemals gefunden wurden, sollte zum Höhepunkt des Tages werden. Vor diesem Denkmal wurde die Aufführung, die im vergangenen November anlässlich des Volkstrauertags in der Paulskirche in Frankfurt stattfand, noch einmal vorgestellt. Einzeln traten die Jugendlichen aus Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden vor und rezitierten in allen Sprachen Propaganda-Zitate der Zeit, welche die Glorifizierung der Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts verstörend real veranschaulichten. Anschließend wurde das Lied „Mad world“ von Gary Jules angestimmt, das die SchülerInnen anlässlich des Ereignisses selbst umgeschrieben und eingeübt hatten.

Das Abschlusstreffen des zwei Jahre andauernden Projekts war für die Teilnehmer sehr beeindruckend und insgesamt ein voller Erfolg.